Ein Blick ins Musik-Geschäft: Infos, Tatsachen und Aussichten & was die Piratenpartei und ein Elektronischer Reporter damit zu tun haben
Gerrit van Aaken geht in seinem Weblog praegnanz.de (Beitrag) auf aktuelle Ereignisse ein. Der Künstler Prince verteilt sein Album “Planet Earth” per Zeitungsbeilage und die einzigen die zahlen müssen, war in diesem Fall die Zeitung. Laut BBC (via Golem) wird das Album in Großbritannien nie in den Verkauf kommen und gegen die Blogger, die das Album online gestellt haben, wird auch nicht vorgegangen. Zumindest in Großbritannien wird das Album nicht verkauft, aber in den USA und Deutschland wird es in die Läden kommen.
Trent Reznor kündigt gleich seiner Plattenfirma und vertreibt sein Album “Y34RZ3R0R3MIX3D” allein. Radiohead dagegen lässt seine Kunden den Preis für sein Album “In Rainbows” bestimmen. Die Webseite sieht ein bisschen gewöhnungsbedürftig aus, aber das Konzept scheint gut zu funktionieren. Die Meldung, dass Madonna ihre Plattenfirma gegen einen Konzertveranstalter eintauscht, geht fast unter.
Aktuell boomen Alternativen zu Plattenfirmen. Und aus einem einfachen Grund: Plattenfirmen sollen Künstler bekannt machen und für den Vertrieb ihrer Musik sorgen. Es geht dabei um “MUSIK” und nicht um “CDs” und “DVDs”. Das schließt alternative Vertriebswege wie das Internet nicht aus; auch wenn manche Plattenfirmen auf diesem Auge geschlafen haben. Aber und das ist der springende Punkt: Man brauch keine Plattenfirma, an die man gebunden ist, um bekannt zu werden oder zu bleiben. Für beides ist das Internet das ideale Medium. Katastrophen wie der 11. September haben gezeigt, wie schnell das Internet reagieren kann. Zeitungen mussten nämlich auf Weblogs als Quellen ausweichen, weil die eigenen Reporter nicht schnell genug am Ort des Geschehens sein konnten.
Einmal ins Internet gestellt, verbreitet sich gute Musik von alleine! Spätestens LastFM & Co bringen das Zielpublikum Hörer und die Musik zusammen!
Um überhaupt die Größenordnungen zu verstehen mit denen der sogenannte Schneeballeffekt arbeitet, muss man das Ganze nur schnell mal durchrechnen. Geht man von einem bisher unbekannten Künstler aus, der gute Musik auf seiner Homepage zum Runterladen anbietet und geht davon aus, dass jeweils an 3 Stellen im Internet die Musik in einem Text aufgegriffen wird:
- Reaktionen auf die Musik: 3
- Reaktionen auf die Musik: 9
- Reaktionen auf die Musik: 27
- Reaktionen auf die Musik: 81
- Reaktionen auf die Musik: 243
- Reaktionen auf die Musik: 729
- Reaktionen auf die Musik: 2.187
- Reaktionen auf die Musik: 6.561
- Reaktionen auf die Musik: 19.683
- Reaktionen auf die Musik: 59.049
Die Realität wird sich nie an mathematische Regeln halten, aber es ist ja nicht festgelegt, wie lange es dauert bis man die nächste Reihe erreicht hat. Mit steigender Zahl steigt aber auch die Wahrscheinlichkeit das größere Webseiten oder Medien die Nachricht aufgreifen; ab diesem Punkt explodiert die Anzahl der Reaktionen förmlich. Suchmaschinen wie Google und die gute alte Zeit verbreiten gute Musik ganz gut; aber ohne Einsatz des Künstlers selbst geschieht wenig.
Zu der Überschrift passt auch die Nachricht, dass EMI durch die DRM-Befreiung und den höheren Bitraten, mehr Einnahmen bekommt. Die Plattenfirmen haben nun die Chance ihre Daseinsberechtigung neu zu erkämpfen. Bleiben sie bei den alten Modellen werden sie sich selbst kaputt machen, denn bei dem Pink-Floyd-Klassiker “Dark Side of the Moon” stiegen die Einnahmen nach der DRM-Befreiung um sagenhafte 350%! via wirhabenbezahlt.de
Noch ein Thema, das ich anschneiden möchte: Die Piratenpartei Deutschland, die für moderne Themen wie das Internet und den digitalen Wandel einsetzt, “setzt sich gezielt für eine Reform des Urheberrechts ein, um den Tausch von urheberrechtlich geschützten Dateien im privaten Bereich zu legalisieren“.
Die Piratenpartei wurde vom “Elektrischen Reporter” in seiner 39. Ausgabe Jens Seipenbusch über die Piratenpartei interviewt. Sehr interessantes Interview! Macht vor allem Hoffnung, wenn ich daran denke, wie Politiker mit Internet & Co umgehen; siehe dazu die Reaktionen zu dem Interview. heise online stößt auf unwissende Politiker, der Joschka hatte 2000 noch keine Computer im Büro und Mitte des Jahres 2007 weiß Brigitte Zypries nicht, was ein Browser ist [Video: Kinder fragen Politiker nach dem Internet bei Sevenload]. Jetzt glaube ich, dass ich die Anekdote, dass manche Politiker Sekretärinnen für ihre E-Mails einsetzen, ruhig ohne Quellenangabe hier mit veröffentlichen kann. Nach dieser Recherche ist alles denkbar.
Tags: DRM, Elektrischer Reporter, EMI, Internet, Musik, Piratenpartei, Plattenfirmen
[…] Ab diesem Punkt gab es eigentlich keine Probleme mehr; Bloggen aus der Ferne via ScribeFire klappte prima. Nur als es daran gin einen längeren Text zu schreiben, ging es den Bach runter und das nicht zu knapp: Den Auftakt machte die Zwischenspeichern-Funktion, indem sie nur den ersten Absatz und den nächsten Satz speicherte; egal wie viel noch kam. Das erste Neuschreiben erträgt man noch leicht; beim zweiten Mal ist man schon leicht genervt. Ein drittes Neuschreiben gab es zum Glück nicht, denn das Pech ging schon in die nächste Runde: Ein falschgesetzter Link lies sich nicht gegen den richtigen austauschen und ironischer Weise war das auch noch der wichtigste Link von allen. Der Ort des Geschehens war hier. […]